Party, Musik und reichlich Adrenalin: Bis Montagabend kann auf dem Jakobimarkt gefeiert werden. Auf dem Haalplatz lockt der Krämermarkt. Von Thumilan Selvakumaran
Brauereichef Peter Theilacker streckt kurz nach 19 Uhr vier Finger nach oben. So viele Schläge hat Oberbürgermeister Daniel Bullinger dieses Jahr zum Fassanstich im Festzelt Papert gebraucht. Obwohl er erst kürzlich beim Festakt in Sulzdorf üben konnte, spritzt es deutlich in die ersten Reihen. Das macht den dutzenden Besuchern in Lederhosen und Dirndl kaum etwas aus, die ihre Arme Richtung Bühne strecken, um ein Freibier zu erhaschen. Damit kann das Festwochenende auf den Kocherwiesen starten.
Schotterfläche saniert
Bereits Tage zuvor begann der Aufbau des diesjährigen Jakobimarkts – allerdings deutlich später als in den Jahren zuvor. Das lag am geschotterten Untergrund auf den Kocherwiesen. Wer sich erinnert: 2025 war es ein sehr verregneter Rummel. Der ohnehin gezeichnete Bodenbelag sorgte für verschlammte Schuhe und Hosen. Die Stadt ließ am Jakobi-Samstag am frühen Morgen kurzerhand Hackschnitzel verteilen, die temporär halfen. Es brauchte aber eine längerfristige Lösung. In den vergangenen Wochen war der Boden nun aufwendig saniert worden. Die Stadtverwaltung argumentiert: „Die Schotterflächen des Festplatzes waren durch die langjährige Nutzung als Parkplatz stark beansprucht und beschädigt. Zudem waren Feinanteile des Schotters ausgewaschen worden, wodurch die ohnehin schwierige Entwässerung der Fläche bei Regen zusätzlich beeinträchtigt wurde.“
Im Zuge der Sanierung sei auch die Wasserversorgung erneuert worden, die aufgrund schadhafter Wasserleitungen sowie der Vorgaben des Gesundheitsamtes nicht weiterbetrieben werden konnte. Die Abteilung Tiefbau habe gemeinsam mit der Abteilung Veranstaltungsmanagement eine neue, den aktuellen Anforderungen entsprechende Wasserversorgung umgesetzt. „Für die Maßnahme sind Kosten in Höhe von rund 95.000 Euro entstanden“, ergänzt Robin Vogel aus der Abteilung Tiefbau des Fachbereichs Planen und Bauen. „Mit der Sanierung wurden die Voraussetzungen für die weitere Nutzung des Festplatzes bei Veranstaltungen verbessert und die Infrastruktur an die geltenden Anforderungen angepasst“, lobt Luca Draxler vom Veranstaltungsmanagement. Zwar habe dadurch der Aufbau ein paar Tage später erst erfolgen können, aber man sei dennoch gut im Zeitplan gewesen.
So rollten erst Anfang vergangener Woche die ersten Laster für den Jakobimarkt an, während in den Jahren zuvor bereits mehrere Wochen früher Teile beispielsweise für das Festzelt angeliefert wurden. „Break Dance“ war dieses Jahr zuerst fertig, lange vor dem Festzelt Papert. Pünktlich vor Festeröffnung am Freitagnachmittag steht aber alles. Für Christian Zettl war das kurze Zeitfenster ohnehin kein Problem. „In einem Tag ist unser Riesenrad aufgebaut“, sagt der Münchner über das 24 Meter hohe Fahrgeschäft mit 18 Gondeln. Dort finden jeweils sechs Personen Platz. Das Team komme direkt vom Jahrmarkt in Murnau und hätte ohnehin nicht vor diesem Mittwoch mit dem Aufbau starten können. „Nach dem Jakobimarkt brauchen wir zwei Tage zum Putzen, dann reisen wir am nächsten Mittwoch wieder weiter zum Burgfest nach Hilpoltsheim, wo am Freitag der Beginn ist.“
Keine Bedenken der Prüfer
Bevor die ersten Gäste ihre Runden mit dem Riesenrad drehen dürfen, sind am Vormittag Prüfer vom TÜV und dem städtischen Baurechtsamt unterwegs. Karl-Heinz Herrmann erledigt diesen Job seit vielen Jahren und kennt die Feinheiten. Dabei inspiziert er mit dem Team jede einzelne Gondel, auch die Absperrungen und Zuwege. „Das geht zusammen mit den drei Kollegen vom TÜV sehr schnell“, sagt er mit dem Blick hoch zum Riesenrad mit den hunderten Einzelteilen. Kurz darauf darf es in Betrieb gehen.
2650 Sitzplätze im Zelt
Bis die Prüfer am Eröffnungsmorgen aber alle Fahrgeschäfte freigegeben haben, dauert es mehr als vier Stunden. Zu beanstanden haben die Männer um Herrmann nichts Wesentliches. Auch nicht im Festzelt, das sie ebenfalls kontrollieren müssen. „2650 Sitzplätze sind zugelassen“, so Herrmann. „Wir schauen, ob nicht zu viele Bänke drinstehen, also ob der Bestimmungsplan passt. Auch Notausgänge, Feuerlöscher und die Sicherheitsbeleuchtung werden geprüft.“ Die Familie Papert bekommt darauf grünes Licht. So kann das mehr als 800 Jahre alte Fest pünktlich starten. Bis Montagabend locken Fahrgeschäfte und Buden auf die Kocherwiesen sowie der Krämermarkt auf den Haalplatz. Désirée Papert freut sich, dass die Bayern- Wippe nach einigen Jahren Pause erstmals wieder auf dem Jakobimarkt dabei ist. Auch der Babyflug, bei dem die Kinder im Karussell abheben können, sei nach einer Pause wieder dabei. Neu sei eine Burger-Bude für die Verpflegung. „Ansonsten ist eigentlich alles wie immer.“ Damit meint sie Break-Dance, Autoscooter und den Music-Express, also die Berg- und Talfahrt.
Quelle: Haller Tagblatt, SWP vom 25. Juli 2026