Der Bierabsatz ist im ersten Halbjahr spürbar gesunken. Umso mehr setzt die Haller Löwenbrauerei für die kommenden Jahre auf eine Nischenstrategie.

Von Antonio De Mitri, SWP vom 19. August 2026

Die Brauereien“, sagt Peter Theilacker, „sind ausgezehrt.“ Gefühlt, fügt der Geschäftsführer der Löwenbrauerei hinzu, werde jede Woche eine andere Brauerei zu Grabe getragen. Nie zuvor stand die Branche derart unter Druck. Seit 2020 ist der Bierabsatz in Deutschland um knapp 9,5 auf 77,7 Millionen Hektoliter im vergangenen Jahr geschrumpft. Der Pro-Kopf Verbrauch sank von 84,4 auf 75,4 Liter.

Starker Rückgang seit 2025

Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres verbuchten Deutschlands Bierbrauer beim Absatz ein Minus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitrum, im Südwesten waren es 2,7 Prozent weniger. “Relativ betrachtet steht Baden-Württemberg noch gut da“, meint Theilacker mit Blick auf die Zahlen anderer Bundesländer wie Hessen (minus 36,8 Prozent) und Niedersachsen mit Bremen (minus 18,3 Prozent). Dennoch: Auch die Löwenbrauerei registriert einen deutlichen Knick. Die Absatzzahlen seien seit Mitte vergangenen Jahres stärker als sonst zurückgegangen. Theilacker: „Da ist was kaputtgegangen“, räumt er ein. Und dies habe sich im ersten Halbjahr 2026 fortgesetzt. Schmerzlich vor allem: „Einer unserer Kernhändler ist in die Insolvenz gegangen“, berichtet Theilacker. Schon Wochen zuvor habe sich die Krise angekündigt: „Mangels Liquidität leerten sich die Märkte. Auch bei uns hat der Händler nicht mehr eingekauft.“ Ein schmerzlicher Einschnitt. „Ohne diesen vorübergehenden Riss im Vertriebskanal hätte es bei unserem Absatz deutlich besser ausgesehen.“ Unterm Strich blieb für die Haller ein Minus von 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Damit liegen wir leider unter dem Marktdurchschnitt.“ Zwar konnte die Löwenbrauerei beim alkoholfreien Bier um ein Prozent zulegen, aber: „Das kompensiert natürlich nicht den Rücklauf bei unseren Biermarken mit Alkohol.“ Genauso wenig wie das Plus von 3,2 Prozent bei der zugehörigen Wildbadquelle.

Gefährliche Mischung

„Wir kämpfen wie die gesamte Branche seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen“, betont Theilacker. Die Kombination aus gestiegenen Fixkosten für Personal und Energie sowie dem Preiskrieg der großen Brauereien wie Radeberger, Paulaner oder Krombacher – um nur die deutschen Hersteller zu nennen – hat sich für die kleinen Häuser zu einer gefährlichen Mischung zusammengebraut, um im Bild zu bleiben. Allein während der WM wurde der Getränkehandel mit Angeboten bis unter zehn Euro pro Kasten geflutet. Theilacker: „Da können wir nicht mithalten – und wenn wir es versuchten, wären wir relativ schnell am Ende. Wir sind dafür zu klein.“ Umso mehr habe sich die Nischenstrategie bewährt, auf Qualität zu setzen und dafür einen höheren Preis zu verlangen. Schon seit 2013 gehören die Haller zu Slow Brewing. Die Vereinigung vergibt ihr Gütesiegel nur an Mitglieder, die strenge Qualitätskriterien beim Brauen erfüllen. So paradox es klingt: Der heiße Sommer hat nach Theilackers Einschätzung ebenfalls zum Rückgang bei den Absatzzahlen geführt. „Petrus ist zwar unser bester Verkäufer, aber bei 35 bis 40 Grad im Schatten zischt selbst ein kühles Gezapftes nicht mehr richtig.“ Auch die WM konnte da nichts reißen. Das frühe Ausscheiden, die Spielzeiten zu später Stunde: „Das war nichts“, kommentiert der Brauereichef. „Seit Corona“, weiß Theilacker, „hat unsere Feierkultur nachhaltig gelitten. Die Geselligkeit ist futsch.“ Hinzu komme die wirtschaftliche Krise: „Die Menschen müssen sparen – und das tun sie zum Beispiel, indem sie seltener ausgehen.“ Die Lage der Gastronomie sei wie ein Barometer für die Brauereien. Seine Prognose: „Der Pro-Kopf-Verbrauch wird auch in den kommenden Jahren weiter sinken.“