Rund 300 Besucher lockt das traditionelle Hopfenzupfen der Haller Löwenbrauerei in diesem Jahr an. Gute Laune
bringen die acht Teams mit, die auf dem Feld nahe der B14 zwischen Hall und Michelfeld antreten. Von Rainer Lang, Haller Tagblatt vom 08.09.2026

Die Sieger haben sich entsprechend vorbereitet. Mit Bratwurst und Kraut hatten „Kalli’s Hopfenzupfer“ am frühen Morgen die Grundlage dafür geschaffen, dass sie sich gegen sieben konkurrierende Teams beim traditionellen Fest zum Start der Hopfenernte durchgesetzt haben. Trotz erschwerter Bedingungen haben die zehn jungen Männer genau 12,37 Kilogramm Hopfendolden auf die Waage gebracht. Der Wettbewerb beim Hopfenfeld der Löwenbrauerei Hall in Michelfeld an der B14 gegenüber dem Gewerbegebiet „Kerz“, wenige Meter von der Gemarkungsgrenze zur Stadt Hall entfernt, ist in diesem Jahr ein Triumph für Großhirschbach geworden. Neben dem Männerteam belegten die Frauen aus dem Stadtteil Neuensteins Platz drei.

Natalies Hopfenzupferinnen brachten immerhin noch 8,63 Kilogramm zusammen. Mit 9,94 Kilo mussten sie sich jedoch dem Team „Jane Bar“ aus Schwäbisch Hall geschlagen
geben. Die Auswirkungen der langen Trockenperiode in diesem Jahr bekamen die acht teilnehmenden Teams zu spüren. Weil die Dolden der Hopfenpflanze sehr klein ausfielen, gab es in
diesem Jahr nach den Worten von Peter Theilacker „für viel Zupfen nur wenige Kilos“. Der Geschäftsführer von Löwenbräu Hall hatte zuvor mit Brauer Matthias Hägele unter den Augen
der rund 300 Besucherinnen und Besucher die von den Zupferinnen und Zupfern mit hellgrünen Hopfendolden gefüllten Säcke gewogen. Eine halbe Stunde hatten die jeweils zehnköpfigen Teams Zeit bekommen, die Hopfenpflanzen zu plündern. Davon, dass dies in diesem Jahr aufgrund der Auswirkungen der Hitze schwieriger war als sonst, ließ sich jedoch niemand die Laune verderben.

In der 26. Runde

„Es hat einfach Spaß gemacht“, meinte Helena Mugele vom Großhirschbacher Frauenteam. Und das Siegerteam konnte sich nicht nur über 100 Liter Freibier freuen, sondern durfte sich auch im Beisein der amtierenden baden-württembergischen Bierprinzessin Pauline Mohr ins Goldene Buch der Kommune eintragen. Michelfelds Bürgermeister Wolfgang Binnig vergaß nicht zu erwähnen, dass sich die Sieger dabei in prominenter Umgebung befinden. Auf der Seite davor hatten sich die Sängerin Vanessa Mai und der ehemalige Bachelor Paul Jahnke bei den Feiern zum 30-jährigen Bestehen des direkt gegenüber liegenden Modehauses Röther eingetragen. Längst ist auch das Hopfenfest zur Traditionsveranstaltung geworden, das in diesem Jahr nach Angaben von Theilacker in die 26. Runde gegangen ist. Traditionsbewusst sind auch die Großhirschbacher, die besonders stolz auf ihr Heckenfest sind. „Wir unternehmen in der Freizeit viel gemeinsam“, sagte Marius Modl, der sich als erster ins Goldene Buch eintrug. Während die Männer zum vierten Mal beim Hopfenzupfen angetreten sind, haben sich die Frauen erst zum zweiten Mal beteiligt, wie Helena Mugele voll Begeisterung erklärt. Das konnten die übrigen teilnehmenden Teams bestätigen. Entweder waren es Freundeskreise oder Vereine mit zum Teil abenteuerlichen Namen, wie die Bierfreunde Gallien. Gute Laune hatten sie alle mitgebracht. Zum Teil waren sie sogar mit Partyhänger
und Schlepper angereist. Zum ersten Mal dabei war das Team Büchelberg genauso wie die Gruppe „Waldechte“.

Beste Voraussetzungen

Die Freizeitsportlerinnen und -sportler aus Geißelhardt sind vor allem bei Fußballspielen gemeinsam unterwegs. Jetzt haben sich Liara, Isabella, Gisela und Malte bei ihrer Premiere beim Hopfenzupfen beweisen müssen. Das 30-minütige hochkonzentrierte Zupfen unter hohem Adrenalinausstoß hat ihnen jedenfalls so großen Spaß gemacht, dass sie auch künftig antreten wollen. Enttäuscht waren sie nicht, dass sie nicht auf den vorderen Plätzen gelandet sind. Schließlich war neben dem Zupfen auch noch das Hopfenkranzbinden und vor allem das
gemeinsame Feiern angesagt. Das Wetter dafür war in diesem Jahr ideal. Weder große Hitze noch starker Wind beeinträchtigte die Teams und die Gäste. Ein zumeist bedeckter Himmel sorgte für angenehme Temperaturen und lieferte die besten Voraussetzungen sowohl für den Wettbewerb als auch fürs Feiern. Nicht verwunderlich war es, dass in den Gesprächen am Rande die Folgen der Hitze für die Landwirtschaft ein Thema waren. Brauer Matthias Hägele erklärte auf Nachfrage: „Die Dolden sind bei uns dieses Jahr sehr klein, es fehlte wie überall das Wasser und damit die Energiezufuhr. Denn allein der Dünger lag sieben Wochen auf der trockenen Erde. Deshalb mussten die Teams gute Dolden suchen.“ Er wies darauf hin, dass vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen in der Hopfenzüchtung mit neuen Sorten gearbeitet wird. Die Neuzüchtungen sind resistenter gegenüber Trockenheit und dem daraus
möglicherweise erhöhtem Schädlingsbefall. „Es gibt neue Sorten, die sehr gut sind. Sie müssen jedoch zum Aromaprofil des jeweiligen Bieres passen“, so Hägele. Auch gibt es nach seinen Angaben alternative Bewässerungskonzepte. „Wir Brauer arbeiten zum einen seit jeher mit der Natur und zum anderen mit guter Vorratshaltung“, fügte er hinzu. Daher steht auch 2026 bei der Haller Löwenbrauerei ausreichend Hopfen zur Verfügung.