Rummel auf den Kocherwiesen und Krämermarkt am Haalplatz sind gut besucht. Im Bierzelt wird geschunkelt und getanzt. Ein Zwischenfall im „Music-Express“ überschattet das Fest. Von Thumilan Selvakumaran
Drehend schleudern die Sitze beim „Hip Hop Fly“ nach oben. Nebenan können sich junge Burschen und Mädels in der „Bayern Wippe“ gerade noch mit den Händen an den Stangen halten, während in diesem wilden Erwachsenen-Karussell ihre Beine schwungvoll abheben. Und im Looper – eine lange Sitzbank – muss jeder der Mitfahrer einen mit Wasser gefüllten Plastikbecher halten. Am Ende der Tour ist kaum noch etwas drin.
Zu gruselig für zweite Fahrt
Wer Adrenalin sucht, kommt beim diesjährigen Jakobimarkt allerdings auch ohne die wilden Fahrgeschäfte auf seine Kosten. Denn auch die Geisterbahn „Devil“ hat es in sich. Gruselige und schrille Töne sorgen innen für Nervenkitzel, aber nicht nur. Immer wieder tauchen schräge Fratzen, Zombies und andere Monster auf. „Ich habe erst gedacht, das wird harmlos. Dann kam aber der Jumpscare“, sagt der zwölfjährige Nathanael und fügt von der Fahrt beeindruckt hinzu: „Ich würde das nicht nochmal fahren.“ Sein elfjähriger Klassenkamerad Dastin gibt dem Fahrgeschäft acht von zehn Punkten. Gruselig sei es schon gewesen, gesteht er ein. Der Rummel samt Festzelt ist für viele das Highlight an diesem Jakobimarkt-Wochenende in Schwäbisch Hall. Tausende kommen von Freitag bis Sonntag auf die Kocherwiesen. Anders als im verregneten Vorjahr haben Beschicker und Besucher eher mit der Hitze zu kämpfen. Die Hoffnung von Festwirtin Désirée Papert, dass es kein „übertrieben heißer Jakobimarkt wird“, damit das Team „nicht in der brütenden Hitze arbeiten muss“, erfüllt sich am Ende nicht.
Weniger Stände am Haalplatz
So trauen sich gerade in den heißen Mittagsstunden nicht allzu viele Menschen auf den heißen Platz und ins Festzelt. Auch auf dem Krämermarkt auf dem Haalplatz ist es insbesondere am Mittag nur wenig gefüllt, sodass sich die Beschicker deutlich mehr Mühe geben müssen, um Kundschaft anzulocken. Drumherum in den Cafés und Eisdielen und am Imbiss ist dagegen kaum noch ein Platz frei. Der Krämermarkt ist heuer ohnehin etwas ausgedünnt. Das Geschäft lohne sich durch das geänderte Konsumverhalten auch nicht mehr so, wie vor Jahren noch, sagt etwa Beschickerin Tanja Fankhauser aus Unterdeufstetten. „Letztes Jahr war es noch okay. Ob sich der Aufwand diesmal gelohnt hat, wird sich am Montagabend zeigen.“ In Steinbach füllen sich die Kocherwiesen am Samstag erst zu den späten Nachmittagsstunden wieder, dann aber deutlich. Wer meint, dass aufgrund der Temperaturen mehr getrunken wird, täuscht sich. Insgesamt gehe der Bierkonsum zurück, meint Peter Theilacker, Chef der Löwenbrauerei. Das sei unabhängig vom Jakobimarkt auch an den generellen Zahlen der Brauerei sichtbar. Allein von der zweiten Jahreshälfte 2025 bis zur ersten Hälfte 2026 seien es fünf bis zehn Prozent weniger. Ob das am Preis liegt? Was die Maß auf dem Jakobimarkt betrifft, kostet die in diesem Jahr 12,50 Euro inklusive Bedienungsentgelt. Das sind 30 Cent mehr als im vergangenen Jahr. Theilacker sieht eher andere Gründe. „Die jungen Menschen trinken einfach weniger.“ Die Haller hätten relativ gesehen aber doch noch eine gewisse Bierkultur – anders als die Heilbronner beim Unterländer Volksfest vor zwei Wochen. Seit 2009 wird auch dort Haller Löwenbräu ausgeschenkt. Doch in Heilbronn komme im Zelt lange nicht eine solche Stimmung auf wie in Steinbach, was sich auch am Bierkonsum zeige. Jedenfalls sei das für den Betrieb nicht wirklich zufriedenstellend. Vermutlich liege dort der Wein eher im Trend, spekuliert der Haller Brauerei-Chef. So oder so, das „Export“, das auf dem Jakobimarkt ausgeschenkt wird, werde sicher nicht ausgehen. Täglich kommt ein neuer 5000-Liter-Tank.
Mann wird herausgeschleudert
Schnapsleichen gibt es trotzdem kaum welche, meint Bereitschaftsleiter Alexander Mack vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Die Sanitäter haben im Nebenraum der ehemaligen Gartenschauhalle erneut ihre Station aufgebaut. „Alkoholprobleme sind tatsächlich jene, die nicht so häufig vorkommen. Das sind eher kleinere Blessuren, die wir behandeln,
unter anderem Schnittwunden und Kreislaufprobleme. Also nicht immer die ganz dramatischen Dinge. Eben alles, was auf so einem Fest passieren kann.“ Dieses Jahr haben die Einsatzkräfte am Freitagabend dann aber doch einen größeren Einsatz zu bewältigen. Beim „Music-Express“, also der Berg-und-Tal-Fahrt, kommt es zu einem Vorfall, bei dem drei Personen verletzt werden. Laut Jens Beck vom Polizeipräsidium Aalen hatte ein Fahrgast, der sich wohl zu sehr eingeengt gefühlt hatte, den Bügel selbst gelöst, als das Fahrgeschäft
zwar schon am Abbremsen war, aber noch nicht gestanden ist. Der 31-Jährige sei „durch die Fliehkraft“ dabei aus der Gondel geschleudert und auf eine an der Seite wartende 40-jährige Mutter samt achtjährigem Kind geflogen.
Drei Personen leichtverletzt
„Wir haben alle verfügbaren Kollegen zur Erstversorgung dort konzentriert“, berichtet Mack vom DRK. „Parallel wurde der Rettungsdienst alarmiert, der in wenigen Minuten vor Ort war.“ Es habe keine lebensgefährlichen Verletzungen gegeben. Alle drei Personen wurden aber ins Diak gebracht. Laut Polizei wurden sie nur leicht verletzt. Der Betreiber des Fahrgeschäfts, der namentlich nicht genannt werden will, sagt zu den Sicherheitsvorkehrungen beim „Music-Express“, dass es üblich sei, dass die Fahrgäste nach Ende der Fahrt selbstständig die Bügel
lösen und aussteigen. In diesem Fall sei die Fahrt aber noch nicht beendet gewesen. Fehler an seinem Fahrgeschäft sieht er nicht. „Es hat am Freitagmorgen hier eine Abnahme durch den TÜV gegeben, ohne Beanstandungen.“ Und es gebe kein anderes Land, wo so streng kontrolliert werde, wie in Deutschland.
Quelle: Haller Tagblatt, SWP vom 27. Juli 2026